Der Fall Fabian (Teil 2): Entsetzen in Güstrow

Shownotes

Als der achtjährige Fabian im Oktober 2025 getötet aufgefunden wird, erschüttert das seinen Heimatort bis ins Mark. In Güstrow, einer 30.000-Einwohner-Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, beginnt auf der einen Seite die Suche nach dem Täter oder der Täterin. Auf der anderen Seite beginnt der verzweifelte Versuch der Menschen, die unfassbare Tat zu begreifen, ohne dass „uns die Sinnlosigkeit dieses gewaltsamen Todes zerreißt“, wie es Jens-Peter Schulz, der Pastor der Pfarrkirche in Güstrow, ausdrückt.

Während die Polizei wegen eines Schwerverbrechens ermittelt, ringen die Einwohner von Güstrow darum, das Unfassbare zu fassen und der Pastor des Ortes, Jens-Peter Schulz, spricht von der „Solidarität der leeren Hände“: „Das Einzige, was wir noch sagen konnten, war: Die Eltern haben ihm die Liebe gegeben, die sie geben konnten. Und jetzt hat er Gottesliebe.“ Er beschreibt, wie er mit all seiner Kraft darum gekämpft hat, denen Halt zu geben, die nicht wissen, wohin mit ihrer Trauer, ihrer Angst und ihrer Wut.

„Tatort MV: Der Fall Fabian“ rollt das Verbrechen auf und begleitet den Prozess gegen Gina H. Das Team der OZ blickt zurück auf die Suche, die von den Reportern eng begleitet wurde und spricht mit den Menschen vor Ort, die mit dem entsetzlichen Verbrechen – und der Suche nach dem Täter oder der Täterin – umgehen müssen.

Der Podcast „Tatort MV“ ist auf unserer Website, in unserer App und überall, wo es Podcasts gibt zu hören.

Impressum: https://www.ostsee-zeitung.de/impressum/

Transkript anzeigen

00:00:10: Es ist Herbst, twenty-fünfundzwanzig.

00:00:13: Das Verbrechen an dem achtjährigen Fabian aus Mecklenburg-Vorpommern erschüttert Deutschland.

00:00:19: Der Junge war mehrere Tage verschwunden – schließlich wird seine Leiche gefunden.

00:00:23: Schnell steht fest das Kind ist getötet worden!

00:00:28: In Güstro, Fabians Heimatstadt herrschen Entsetzen, Sorge aber auch riesige Anteilnahme.

00:00:34: mit der Familie des Kindes In der Kleinstadt mit dreißigtausend Einwohnern beginnt auf der einen Seite die Suche nach dem Täter oder der Täterin.

00:00:43: Auf der anderen Seite beginnt der verzweifelte Versuch, der Gemeinde die unfassbare Tat zu begreifen ohne dass uns die Sinnlosigkeit dieses gewaltsamen Todes zerreißt wie Essians Peter Schulz, der Pastor der Pfarrkirche in Güstrow ausdrückt.

00:01:04: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von tatortmv.

00:01:08: Heute sind wir im Amtszimmer, am Pfarrhausmarkt-Einundreißig in Güstrow und sprechen mit Pastor Jens Peter Schulz der seine Gemeinde durch diese furchtbare Zeit begleitet hat.

00:01:21: Und auch heute noch begleitet.

00:01:23: herzlich willkommen Herr Schulz!

00:01:24: Herzlich Willkommen hier meinem Amtssimmer.

00:01:26: Danke schön es ist ein sehr schönes Amtsszimmer.

00:01:29: also wir sind hier in einer sehr gemütlichen Umgebung trinken einen Kaffee und wollen jetzt einmal zurückblicken auf die Geschehnisse im vergangenen Herbst.

00:01:37: Herr Schulz, ich stelle Sie einmal ganz kurz vor.

00:01:40: Sie sind – wenn ich richtig informiert bin seit zwanzig-einundzwanzig in Güstro – Stamm aber auch von hier.

00:01:47: Sie ist ein dreifacher Familienvater und waren vorher in Bordien & Altkalen?

00:01:54: Genau!

00:01:55: So ist das relativ.

00:01:56: Er war acht Jahre auf dem Dorfpastor in zwei kleinen Gemeinden und hatte dann das große Glück wieder nach Hause kommen zu dürfen Und bin dann mit meiner Familie hierhergezogen.

00:02:07: und am ersten, ersten, zweitausend, einundzwanzig habe ich den Dienst übernommen an der Fahrkirche in Güstro.

00:02:12: Ich weiß gar nicht wie das funktioniert.

00:02:14: Konnten Sie sich das aussuchen?

00:02:16: Also gibt man Wunschstationen an oder wird man entsendet und nimmt das was...

00:02:20: Also die erste Station da wird man einsendet.

00:02:23: so war es jedenfalls damals zu meiner Zeit.

00:02:24: das macht jetzt alles schon wieder ganz anders sein und da war ich auch froh da mal auf dem Dorf zu sein um das mal etwas ganz anderes kennenzulernen.

00:02:33: Und der Familie tat das auch gut.

00:02:34: und dann sind wir umgezogen.

00:02:37: Wann haben Sie denn von dem Vermisstenfall erfahren?

00:02:41: Also, wir waren an dem Wochenende vom zehnten bis zum zwölften Oktober auf eine Familienfreizeit.

00:02:49: Wir waren da komplett abgeschnitten von irgendwelchen Infos... ...und auf der Rückfahrt dann lief das im Autoradio.

00:02:58: Dann haben wir gesagt okay, das ist irgendwie was los!

00:03:01: haben uns aber auch noch nicht wirklich viel dabei gedacht, weil vielleicht taucht er ja wieder auf.

00:03:07: Dann sollte an dem Montag danach am thirteenthen Oktober bei uns die Bibelwoche hier stattfinden, Markt-Einunddreißig und der erste Abend den hatte dann auch jemand übernommen Und da war das Thema.

00:03:23: Da haben die Menschen abends gesagt okay irgendwie müssen wir mal für ihn beten Wir können doch nichts so tun als wäre da jetzt nix weil das hier direkt uns alle betrifft.

00:03:34: Da war ja halt noch vermisst.

00:03:36: und dann ist an diesem Abend, am Montag den Dreizehnten die Idee entstanden Wir könnten doch an dem Dienstagabend einladen zu einem Gebetsabend wo wir uns in der Fahrkirche treffen Am Altar haben nicht damit gerechnet dass da viele Leute kommen aber einfach für Menschen die das irgendwie los werden müssen Irgendwohin müssen mit ihrer Sorge, mit ihrer Not in dort einen Ort zu bieten.

00:04:07: Und dann haben wir gesagt noch gut, wenn neunzehn Uhr das passt doch und das ist denn nachher alles aber ganz anders gekommen.

00:04:15: Wieso ist es, dass das dann anders gekommen?

00:04:18: Weil im Laufe des Dienstages eine Leiche gefunden wurde, eine Kinderleiche.

00:04:24: Und da hat uns erst so ein Schock hier erreicht.

00:04:29: also... Wir standen dann auch, wir haben ja diesen Gebetseramt.

00:04:33: Wo wir eigentlich dafür beten wollten dass er gefunden wird und das wieder auftaucht.

00:04:38: Und wir waren schnell klar jetzt muss es erst recht stattfinden!

00:04:43: Dann haben wir uns hingesetzt die Gemeindepädagogin Christiane Hinrichs und ich und da haben wir noch die Gemeindepädagogen von der Domgemeine angerufen Sarah Kerstahn und dann saßen wir zu dritt und haben erstmal durchgeatmet Und haben wir erst mal zusammen gebetet, weil wir einfach... Wir wussten wirklich nicht wie wir jetzt weitermachen wollen.

00:05:08: Ich kann mir auch vorstellen das ist ja ein Wahnsinns-Schock also schon alleine wenn ein Kind verschwindet man trifft auf der Straße Menschen die die Familie kennen wie auch immer und dann kommt dieser Einschlag diese... Also sie mussten ja wahrscheinlich selber auch erstmal das verdauen oder ist es in so einem Moment gar nicht möglich.

00:05:31: Also ohne Quatsch die ersten Tränen liefen da, das war so unglaublich und dass wir so mittendrin sind und jetzt damit umgehen müssen.

00:05:41: Und wir waren uns dieser Verantwortung sofort bewusst weil nämlich schon ein digitaler Flyer draußen war für diesen Gebetsabend, für Fabian.

00:05:51: ich kann mich erinnern, dass ich nicht dazu gekommen bin überhaupt was zu schreiben eine Predigt oder sowas.

00:05:59: Hier dauert das Telefonklingelte, denn alle anderen Medienanstalten haben natürlich auch mitbekommen dass wir da ja was machen und ob die jetzt dazu kommen können.

00:06:10: Und die wollen am besten dann alles filmen, was da passiert.

00:06:14: Also nie in der Kirche nicht!

00:06:16: Nein bitte nicht!

00:06:17: Ihr haltet nicht die Kamera in das Gesicht von denen, die da mit ihrer Not- und Trauer dahin kommen soll.

00:06:24: Dann war halt auch die Frage wie krimine ich das überhaupt durchgesetzt?

00:06:27: dass die dann alle ihre Kameras auch ausmachen.

00:06:30: Das hat dann relativ gut geklappt bis auf einen, der dann frech wurde.

00:06:33: aber wir haben dann gesagt okay machen Kerzen Ritual und wir hatten ganz viele von diesen ganz dünnen Kerzen.

00:06:41: ein ehrenamtlicher aus meinem Männerkreis losgefahren hat dann im Baumarkt so Bluntöpfe, die man an einer Veranda war.

00:06:49: diese schmalen dann aus Plaste geholt um Sand.

00:06:53: das haben wir denn vorne in Kreuzform aufgestellt im Altarraum Und haben gesagt, okay wir haben jetzt hier irgendwie fünfhundert Kerzen.

00:07:00: Wird schon irgendwie gehen und es war halt super schwierig.

00:07:07: Ich hatte kaum was zu Papier gebracht.

00:07:09: Wir haben uns gerade noch so auf die Lieder geeinigt Die Kirche war rappelticke Folie ich glaube ist dann nicht mal alle reingekommen Und ich in bestimmt sechshundert Gesichter gucken konnte In diesem ersten Gottesdienstabend Und wir standen da eigentlich auch so, es war die Solidarität der leeren Hände.

00:07:30: Das schockiert uns jetzt hier auch.

00:07:31: und das Einzige was wir irgendwie noch sagen konnten ja Die Eltern haben ihm die Liebe gegeben diese geben konnten und Jetzt hat er Gottes Liebe.

00:07:49: Diese einfache Antwort sieht ihr ein bisschen nach Kinderbibelkreis klingt Kraft gegeben und geholfen, dass von da an die Fahrkirche wie so ein Andervspunkt war.

00:08:02: Und immer wieder Leute kamen und wir mussten unsere Öffnungszeiten dann.

00:08:07: den nächsten Tag, den Mittwoch haben wir gleich gesagt, wir müssen die Kirche aufmachen.

00:08:11: Dieser Gottesdienst der wollte auch nicht enden!

00:08:14: Wir haben dieses Kerzenritual auch gemacht und wenn man so ganz viele dünne Kerzen nebeneinander stellt, dann wird das irgendwann zum großen Lagerfeuer.

00:08:25: Kameraden der Feuerwehr da und gesagt, es geht nicht.

00:08:28: Ihr müsst jetzt aufschauen.

00:08:29: Ihr könnt nicht noch mehr Kerzen hier verteilen ihr müsst rausgehen.

00:08:34: So haben wir das irgendwie versucht alles draußen.

00:08:36: Und draußen war dann ja auch schon das erste Schild mit Trauer um Fabian.

00:08:41: am Nachmittag hat dass jemand dort aufgestellt.

00:08:44: Mit dem hatte ich auch noch gesprochen und man hat mir erzählt er musste was machen.

00:08:49: Er ist jetzt in Rossmann gegangen und hat dann einfach etwas gekaufte ein Bilderrahmen und einen Eddingen, hat da was draufgeschrieben.

00:08:58: Das stand dann auch die ganze Zeit dort und war in allen Medien zu sehen – das war schon krass!

00:09:04: Und die ersten Kuscheltiere lagen dann da.

00:09:08: Dieser Gottesdienst ging quasi draußen weiter.

00:09:12: Die ganzen Menschen sind rausgekommen, haben draußen noch mehr Kerzen angezündet.

00:09:16: Die Menschen lagen sich in den Armen bis spät in der Nacht.

00:09:19: Wir hatten wirklich jemand, der auf Feuerwache gehalten hat.

00:09:22: Also es war immer jemand bis spät abends da und hat da aufgepasst, dass dann nicht irgendwie Menschen zu Schaden kommen weil mit den ganzen Kuscheltieren und die Kerzen das war schon auch eine Gefahrenquelle.

00:09:36: Der Bürgermeister hat übrigens auch an dem ersten Abend in der Kirche schon gesprochen und auch sehr gut gesprochen, frei gesprochen, den Menschen aus einem Herzen gesprochen.

00:09:44: und wir hatten uns verabredet, dass wir uns am Mittwoch treffen und vor der Kirsche diese ganzen Interviews geben, weil die Fernsehteams hatten sich angekündigt.

00:09:56: Und so ging es dann, dass wir wirklich abwechselnd nur Interviews geführt haben und irgendwann hat mich unser Bürgermeister Sascha Zimmermann vor der Kamera weggezogen und gesagt, pass auf sie können nicht mehr.

00:10:10: und das war total gut, ich bin ihm so dankbar, dass er das gesehen hat, weil wenn man immer die gleiche Frage gestellt bekommt ja wie finden Sie denn das?

00:10:18: Dass der Junge da tot ist?

00:10:21: Also es war... Irgendwann kann man nicht mehr.

00:10:25: Und ich war da wirklich auch ziemlich nah am Wasser gebaut nachher, also das hält man nicht aus.

00:10:32: Das liegt natürlich auch daran dass ich selber drei Kinder habe.

00:10:35: denen das zu erklären ist auch nicht einfach.

00:10:37: Es war irre.

00:10:38: die haben halt dann auch ja die Leute abends um einundzwanzig Uhr noch mit der Kamera überfallen und die gefragt wie's ihnen jetzt gerade geht Ja, wie soll's denn den Leuten gehen?

00:10:48: Ich wurde auch immer gefragt.

00:10:49: Wie trauern dann die Leute hier in Güstro?

00:10:52: Also man kann sagen, das ist so pauschal, kann man das jetzt aber gar nicht sagen!

00:10:57: Das gibt ja jetzt nicht nur eine Art... Da gibt es die, die wütend sind, die sprachlos und völlig unaufgeregt sind.

00:11:05: Es waren halt auf merkwürdige Fragen manchmal, wo ich dachte okay, das kann doch jetzt ja kein Thema sein oder auch zu einem Ermittlungsergebnis, was mich nie geäußert hat Und da noch in irgendwelche Spekulation und Vermutung mit einzustimmen.

00:11:21: Da hat auch der Bürgermeister immer vorgewarnt, in seinen Reden und Antworten.

00:11:27: Weil da liegt ja wirklich gar kein Segen drauf.

00:11:30: Wann war denn der erste Moment wo Sie innehalten konnten?

00:11:34: Wo sie auch nochmal vielleicht Kraft schöpfen konnten?

00:11:38: Also das hat ganz lange gedauert Das war eine permanente Anspannung.

00:11:42: Mein Handy klingen irgendwie, ich weiß nicht warum aber alle hatten irgendwie immer ein Handynummer nachher.

00:11:47: Es haben sogar Fernsehteams aus dem Ausland angerufen die da für die Nachrichten was machen wollten dann O-Ton von mir brauchten.

00:11:54: Ich habe auch in der Zeit nichts gegessen also so gut wie gar nichts und ich glaube das erste mal richtig durchgehart mit.

00:12:01: Ich hatte am Freitag den siebzehnten noch ne Beerdigung Was natürlich auch doppelt schwer ist wenn man halt so einen Fall noch im Hintergrund hat beerdigen soll.

00:12:11: Und abends wäre eigentlich Konfirmantenunterricht gewesen und da hat dann die Gemeindepädagogen von der Domgemeinde gesagt, du kannst nicht mehr!

00:12:20: Das mache ich.

00:12:22: Da war ich total dankbar und das war glaube ich das erste Mal wo ich mal so eine Atempause hatte.

00:12:29: So wie Sie das beschreiben kommt es bei mir an dass es natürlich ein riesiges Entsetzen gab aber auch so ein enges Zusammenrücken.

00:12:38: haben sie auch so empfunden?

00:12:41: Ich muss aufpassen, dass sich das nicht zynisch anhört.

00:12:44: Aber in dieser Zeit ist halt auch viel Wunderbares passiert also, dass Menschen eben zusammengewirkt sind, aufeinander acht gegeben haben, einander zugehört haben und das ist auch schon ein Geschenk in dieserzeit zu wissen okay auf wen kann ich mich hier verlassen?

00:13:02: und natürlich auch mit der Stadt dass man weiß, wir können es auch aufeinander verlassen.

00:13:07: Wir wissen voneinander und das ist auch geblieben.

00:13:11: Das wollte ich gerade fragen.

00:13:12: Ich finde das immer so tragisch, dass ... Man hört das ja manchmal wenn Tragödien Menschen ereilen, dass Menschen dann so nah zusammenrücken.

00:13:20: Und ich denke immer was hält nicht solange an?

00:13:24: Und das ist so traurig weil sich jeder Mensch eigentlich danach sehnt nach der Gemeinschaft sehend und das es dann immer solche Anlässe braucht, so grauenhafte Anlösse braucht.

00:13:34: Das ist wirklich schade, aber auch liegt vielleicht in der Natur das Menschen oder so.

00:13:40: Aber ich kann wirklich sagen ... dass mir diese Beziehung in der Zeit und die WM jetzt noch mal mit dem Bürgermeister, da ist etwas gewachsen, was auch so schnell nicht kaputt geht.

00:13:53: Wenn man sowas zusammen durchgestanden hat, dann macht das was.

00:14:00: Fabi hat bei uns eine Effion gespielt?

00:14:03: Er wurde gerade jetzt vor kurzem erst richtig angemeldet, hat aber viele Wochen schon im Training dabei gewesen und hat gerade erst sein Trikot bekommen welches wir heute dabei haben.

00:14:15: Und was auf den

00:14:17: Typ war?

00:14:17: Er war ein

00:14:18: ruhiger Schüchter in der Junge also so habe ich ihn kennengelernt Die auf dem Fussballplatz einfach aufgebüht ist, wenn er am Ball hatte.

00:14:24: Ist rumgesprungen und hat sich gefreut.

00:14:27: Er war eigentlich unser Verteidiger!

00:14:29: Wir haben mit den Kindern jetzt was ja auch medial verbreitet worden ist.

00:14:33: Rituale durchgeführt um ihn das so ein bisschen zu erklären.

00:14:38: in Gedanken jemanden farbig mit den Luftballons und Wünschen an die Feuertronne.

00:14:43: Ansonsten ist die Stimmung im Verein eigentlich richtig doll gedämpft und in der F-Junkmannschaft sowieso.

00:14:50: Wir haben auch gleich das Spiel abgesagt, weil es hat keinen Sinn mehr gemacht

00:14:52: und

00:14:53: irgendwann wird die Normalität wiederkommen.

00:14:55: Aber trotzdem werden wir Fabian nicht vergessen!

00:14:58: Das war noch mal ein Ausschnitt aus unserem OZ Live-Ticker von der damaligen Zeit rund um die Suche und die Ermittlungen im Fall Fabian.

00:15:07: Und wir haben Jan Boralevski gehört den Präsidenten vom ETSV Gustro.

00:15:12: Herr Schulz, wenn wir nochmal an die Zeit dieser Suche denken und das Entdeckens der Leiche... Beschreiben Sie uns doch noch mal die Stimmung in Güstro.

00:15:23: War da viel Angst?

00:15:24: Also es gab natürlich Eltern, die dann ihre Kinder immer zur Schule gefahren haben.

00:15:29: Während sie sonst alleine gegangen sind und das gab es.

00:15:33: Es gab aber auch Eltern... Da verziehle ich mich auch durch und gesagt habe, naja also das ist doch jetzt so ein Einzelfall.

00:15:42: Im besten Willen gar nicht dran gedacht, hier leuchtet irgendwie ein See im Mörder rum oder so.

00:15:47: Und ich wollte auch meinen Kindern nicht diese Angst machen.

00:15:50: Haben Sie denn zu Hause darüber gesprochen oder haben sie versucht, das Fernzuhalten?

00:15:54: Wir sprechen generell über alles aber ich gebe meinen Kindern auch keine Antworten wo sie keine Frage zu haben.

00:16:00: also und natürlich wurde dass auch in der Schule thematisiert.

00:16:04: irgendwann war ja auch relativ klar die Kinderleiche die gefunden ist tatsächlich Farbe an und ab.

00:16:11: da musste man ja wohl als wenn man den pädagogischen Auftrag Ernst nimmt auch in den Schulen mal darüber reden.

00:16:18: Die haben ja dann so Safe Space eingerichtet, wo man denn hingehen konnte als Kind und dann auch dort seine Ängste und Sorgen mal lassen konnte... Wir haben das eher so wahrgenommen dass viele aus dem Schulklassen meiner Kinder waren dann auch an diesem Gottesdienst.

00:16:36: Und hatten da auch ihren Ort!

00:16:38: Das war irgendwie ein ganz neues Zusammengehörigkeitsgefühl für die Man trifft sich nicht nur in der Schule oder irgendwie auf dem Skaterplatz.

00:16:48: Dann trifft man sich auch abends in der Kirche, weil das geht uns alle was an und das rührt uns alles etwas an.

00:16:55: Und das fand ich schon bemerkenswert, dass Kinder dann auch sagen, ich gehe da heute Abend hin.

00:17:01: Sie haben bei dem Trauer Gottesdienst die Frage nach dem Warum stark in den Vordergrund gestellt?

00:17:10: Sie haben gesagt ... Eine Frage, auf die es keine Antwort gab.

00:17:16: Die aber gestellt werden muss denn... ...die Sinnlosigkeit dieses gewaltsamen Todesdrot und sonst so zu zerreißen?

00:17:25: Können Sie Frieden finden in einer solchen Situation?

00:17:30: Kraft ihres Glaubens?

00:17:32: Ja, kann nicht!

00:17:35: Also diese Frage warum musste gestellt werden?

00:17:39: Die hatte jeder einen Kopf der da gesessen hat.

00:17:42: Und diese menschlichen Abgründe die uns da aufgezeigt werden, dass jemand dazu in der Lage ist so was einem Kind anzutun.

00:17:50: Das übersteigt sämtliche Vorstellungskraften und wenn man sich das vorstellen kann dann hat man auch ein Problem.

00:17:55: Diese Frage musste gestellt werden, kann aber ja nicht wirklich beantwortet werden.

00:18:01: Und ich habe sie deshalb so einen Vordergrund gestellt weil es... Ich hab' die ja nicht auf der Straße gestellt sondern in der Kirche.

00:18:10: Und zwar eine höhere Macht!

00:18:12: Und das muss sich Gott schon gefallen lassen zu sagen Wo waren jetzt hier deine Schutzänge?

00:18:18: Diese Frage am Alltag zu stellen ist einfach was ganz anderes, als wenn ich auf der Straße mit Vermutungen um mich werfe.

00:18:29: Weil die Adresse dieser Frage ist halt ein ganz anderer.

00:18:34: In dem Moment wo wir diese Frage Gott stellen, ist das eben auch ein Gebet und ich kann mit Gott sprechen und kann ihm sagen Ich finde es nicht in Ordnung!

00:18:45: Das ist etwas, was meine Vorstellungskraft übersteigt und ich muss irgendwo hin mit meiner Wut.

00:18:53: Und genau da ist auch das Kreuz die richtige Adresse.

00:18:59: Das wollte ich damit klarmachen.

00:19:02: Vielleicht kann dann alleine dieses Benennen, dieses Dilemmas weil man niemals eine Antwort bekommt allein das Benennen kann ja auch schon ein Stück Erleichterung oder Linderung verschaffen.

00:19:17: Genau, es ist ein bisschen Gott mit hineinnehmen in die Probleme, die man selber hat und dann eben auf was abgeben.

00:19:23: das ist schon auch eine Katase, das dann da auszusprechen.

00:19:26: Ja jetzt beginnt ja in wenigen Tagen der Prozess.

00:19:31: wie blicken sie darauf?

00:19:38: Es wird schon schön wenn es von Gerechtigkeit bekommen, doch wirklich nicht reden, also das macht gar nichts gerecht.

00:19:46: aber Ja, wenn es irgendwie zumindest auf juristischem Wege zu einem Abschluss kommt und man sagt hier so, dass dann das passiert.

00:19:56: Aber ich finde jetzt auch nichts wieder gut.

00:20:00: Also die Frage nach dem Warum wird weit hinbleiben?

00:20:05: Wir kriegen ja noch Pakete zugeschickt von Leuten, die mittrauen aus ganz Deutschland.

00:20:12: Und sie sagen Herr Pastor bringen Sie das bitte zum Grab vom Fabian!

00:20:17: Wir wissen uns nicht, alles zu helfen und ich hab das mit meinem Sohn zusammen gebastelt.

00:20:20: Und sie nehmen das dann bitte

00:20:22: mit.".

00:20:23: Man merkt, dass die Leute das beschäftigen, dass sie immer noch so einen Aktionismus haben.

00:20:27: Ich muss doch irgendwie helfen können, muss auch irgendwas machen können.

00:20:31: Haben Sie das Gefühl, dass Sie das Geschehen schon ein bisschen verarbeiten konnten?

00:20:36: Wir haben als Fahrkälcher ... Übrigens nicht nur als Fahrkirchen.

00:20:42: Da muss man wirklich dazusagen, die gesamte Güsteroir Allianz, das sind alle anderen christlichen Gemeinschaften auch Freikirchen und... Die haben alle mitgemacht!

00:20:53: Also auch da sind wir zusammen gerückt.

00:20:55: Und dann wurden da Bastelangebote gemacht, dass man so Kerzen gebastet auf einen langen Bindfahrten aufgefedelt.

00:21:03: Sollte dann wie so Wimpel oder eine Kerze drauf und dann konnte man dann Fabian einen guten Wunsch darlassen oder der Familie.

00:21:11: Das haben wir auch nachher der Mutter von Fabian alles zur Verfügung gestellt.

00:21:15: Weil die Leute das geführten, wir müssen was machen.

00:21:18: Hat ihnen das auch Kraft gegeben?

00:21:20: Also Trauer in den Kindern kann... ...das ist mein Kryptonit sagt man glaube ich.

00:21:27: also das macht mich komplett fertig!

00:21:30: Der Bürgermeister und ich standen einmal vor der Fahrkirche und er uns noch unterhalten und die Fernsehthemen ging wieder an uns vorbei und dann kam eine komplette Schulklasse die dann wirklich auch dahin gepilgert sind, um das aufzunehmen.

00:21:47: Und als ich das gesehen habe, bekomme ich ihn nicht mehr.

00:21:50: Das war zu viel für mich!

00:21:52: Herr Schulz vielen Dank für das offene Gespräch und ich wünsche Ihnen jetzt viel Kraft für die Zeit, die jetzt kommt wenn der Prozess losgeht.

00:22:01: Danke sehr, ja durch die Gemeinde und die Mitarbeiter und die Stadt und den Bürgermeister.

00:22:09: Da gibt es viele Kraftquellen.

00:22:13: Ich denke, das wird Güstero schon packen.

00:22:27: In Güstro finden die Menschen langsam zur Normalität zurück.

00:22:31: Jetzt steht die nächste Bewährungsprobe für die Gemeinde bevor.

00:22:35: Am Dienstag, dem April, der Prozess im Fall Fabian beginnt.

00:22:42: Auf der Anklagebank Gina Ha, die Ex-Freundin von Fabians Vater Und die Frau, die am vierzehnten Oktober-Zweitausendfünfundzwanzig die Polizei rief, weil sie die Leiche des Jungen gefunden hatte.

00:22:55: Zufällig beim Spazieren gehen wie sie behauptete!

00:23:01: Das war Folge zwei von TatortMV der Fall Fabian.

00:23:06: Moderation Carla Quigg Redaktion Carla Quick und Oliver Kramer.

00:23:12: Sprecherin Kaya Sesterhen Aufnahmeleitung und Postproduktion Oliver Kramer und Benjamin Barz.

00:23:20: Tatort MV ist eine Produktion der Ostsee-Zeitung GmbH & CoKG.

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